Dienstag, 22. August 2017

Das Erbe der Elfen - Andrzej Sapkowski

Titel: Das Erbe der Elfen
Autorin: Andrzej Sapkowski
Originaltitel: Krew Elfów
Verlag: dtv
ISBN: 978-3423247542
Euro: 14,90
Veröffentlichungsdatum: November 2009
Seiten: 380
Serie: Die Hexer-Saga 01
Come in: Vom Verlag









Inhalt

Dem Hexer und Krieger Geralt ist es gelungen, die Enkelin der letzten Königin Brokilons, Ciri, aus dem besiegten Königreich zu retten. Sie ist das weissgesagte Überraschungskind, so dass er sie zu seinen Kameraden bringt. Die Hexer können allerdings wenig mit dem jungen Mädchen anfangen und tun mit ihr das Einzige, das ihnen einfällt: Sie bilden sie, wie sie es mit einem Jungen tun würden, zur Hexerin und Kriegerin aus.
Doch Geralt spürt, dass mehr hinter Ciri steckt und so bittet er die Magierin Triss um Hilfe. Ein Glücksfall für Ciri, die nicht nur mit der harten Ausbildung, sondern auch den Besonderheiten beim Erwachsenwerden zur Frau hadert. Die starken magischen Kräfte Ciris bedürfen einer speziellen Ausbildung, so dass beschlossen wird, das Mädchen zum Tempel der Melitele zu bringen. Bereits auf dem Weg wird deutlich, wie tief gespalten das Land ist. Und nicht alle können das Überleben der Thronerbin gutheißen ...


Meinung

Wer zum ersten Band der Hexer-Saga greift, sollte sich klarmachen, dass dem Werk noch diverse Kurzgeschichten und ein PC-Spiel vorausgehen und zumindest ein Teil davon bekannt sein sollte. Sapkowski hält sich nicht lange damit auf, die Charaktere einzuführen oder Gesellschaft und Politik näher zu erläutern. Der Leser bewegt sich zusammen mit den einzelnen Figuren durch eine Welt, die dann als gegeben hinzunehmen ist. Allerdings macht es der Autor seinen Lesern auch nicht allzu schwer, gerade wenn diese bereits (im Genre) belesen sind. Wer sich also auch einfach mal auf eine Geschichte einlassen kann, sollte sich nicht abhalten lassen, zum Buch zu greifen.
Die Gewichtung der Handlung liegt eindeutig auf den Figuren und Sapkowski hat ein echtes Händchen dafür, über Dialoge, Szenen und Mimiken die einzelnen Charaktere und deren Beziehungsgeflecht darzustellen. Mitunter bietet es sich an, im zwischen-den-Zeilen-Lesen geschult zu sein. Einzig Geralt selbst scheint ein wenig kurz zu kommen, auch wenn er seine Momente erhält, die sich aber an einer Hand abzählen lassen. Im Vordergrund steht in jedem Fall das Überraschungskind Ciri, zusammen mit ihren beiden Ausbilderinnen Triss und Yennefer. Der Autor nimmt kein Blatt vor den Mund und spricht auch Themen an, die eher selten zu lesen sind, besonders in Werken eines männlichen Autors. Dabei geht dieser aber nicht bierernst an die Sache heran, sondern behält sich so einige Schmunzler und Augenzwinkler vor. Tatsächlich halte ich einige der Szenen und Begebenheiten für außerordentlich gelungen und so unterhaltsam, dass das Buch kaum aus der Hand zu legen ist.
Ciri ist jung, macht aber ohne zu murren alles mit, lernt fleißig und schmiedet Pläne für die Zukunft. Für das, was ihr auf dem Schlachtfeld wiederfahren ist, finden sich keine Worte, dass sie das jedoch nicht hinnehmen wird, steht fest. Für Geralt hat sie einiges übrig, was seiner Charakterisierung enorm dient, denn allein durch die Augen des Mädchens und später auch der anderen weiblichen Figuren, nimmt er feste Gestalt an. Wohlgemerkt himmeln ihn nicht alle an, was eben den gelungenen Kontrast bildet. Würde Yennifers und Geralts Beziehung einen Eintrag in Facebook besitzen, müsste dort vermutlich "es ist kompliziert" stehen, dabei ist sie die große Liebe seines Lebens. An welchem Punkt sie derzeit aber genau stehen, weiß er defintiv nicht. Der Autor hat dazu einige Briefe zwischen den beiden wechseln lassen, die vordergründig Ciri betreffen, sich im Prinzip aber um dieses Thema drehen. Yennifers Haltung ist genau zu spüren, wenn sie auch nicht viele Worte darum macht.
Lesern, die Monsterkämpfe und ganze Schlachten erwarten, wird hier wenig geboten. Zwar gibt es Kämpfe, aber sie spielen kaum eine Rolle. Sapkowski jedoch hat neben der Gleichberechtigung auch andere (immer wieder) aktuelle Themen eingeflochten, nicht zuletzt Rassismus, hier in Gestalt Elfen/Zwerge versus expandierende Menschen. Auch wer das Direkte nicht mag, ist schlecht mit Büchern aus der Feder des Autors beraten, denn es geht mitunter auch recht derb zu.
Alle anderen jedoch sollten sich nicht davon abhalten lassen, in Sapkowskis Werk hineinzusehen. "Das Erbe der Elfen" ist ein packender und geistreicher Fantasyroman, der nur auf den ersten Blick dem Mainstream standhält, im zweiten durch den gelungenen Mix zu überzeugen weiß. Erzählweise, Charaktere und Handlung haben von dem gewissen Blick über den Horizont in jedem Fall provitiert.


Die Hexer-Saga
1. Krew Elfów (Das Erbe der Elfen)
2. Czas pogardy (Die Zeit der Verachtung)
3. Chrzest ognia (Feuertaufe)
4. Wieża Jaskółki (Der Schwalbenturm)
5. Pani jeziora (Die Dame vom See)

https://sapkowskipl.wordpress.com/
http://www.der-hexer.de/start
Sein Beruf scheint so gar nicht zu einem Fantasyautor zu passen: Andrzej Sapkowski ließ sich für den Außenhandel ausbilden und war in dieser Branche mehr als zwanzig Jahre lang für polnische Firmen tätig. Aber ganz erfüllt hat ihn dieser Job offenbar nicht, denn bereits 1986 wurde in einer Zeitschrift seine Erzählung „Der Hexer“ veröffentlicht. In Deutschland waren es vor allem die „Narrenturm“-Trilogie und die „Geralt-Saga“, die seinen Namen in der Szene zum Begriff werden ließen. Geboren wurde der Autor 1948 in Łódź. Er lebt weiterhin in seiner Heimatstadt, als deren Ehrenbürger er sich seit 2008 bezeichnen darf.

Freitag, 18. August 2017

(Altvorderen) Starke Frauen

Altvordere bezeichnet alle Vorfahren, die den noch Lebenden vorausgingen.
In diesem Beitrag möchte ich an vorausgegangen Rezensionen in diesem Blog erinnern. Thema: Starke Frauenfiguren in der Fantasy


Halo: Tochter der Freiheit - Zizou Corder
Der Roman erschien im November 2013 bei Dtv. Er ist in sich abgeschlossen und für jüngere Leser gedacht.

Das Mädchen Halo wird als Baby an den Strand der Zentrauren gespült und wächst behütet bei einer solchen Familie auf. Als sie und ihr Ziehbruder Arko eines Tages einen Ausflug machen, laufen sie Sklavenhändlern in die Arme, die Halo nach Griechenland verschleppen. Nach einiger Zeit gelingt ihr die Flucht, aber fortan muss sie sich allein in einer Welt durchschlagen, die sie nicht kennt. Und in der sie als Mädchen kaum eine Chance hat - sie verkleidet sich als Junge. Dabei trifft sie auch auf den jungen Spartaner Leonidas, dem sie immer wieder über den Weg laufen wird und der ihr Geheimnis wahrt.
Halo gelingt es, ihren Onkel zu finden, der sie freudig bei sich aufnimmt. Doch er glaubt, er habe einen Neffen an seiner Seite und Frauen seien nutzlos ...

Rezension: (KLICK)

Dienstag, 15. August 2017

Der Wanderer - Trudi Canavan

Titel: Der Wanderer
Autorin: Trudi Canavan
Originaltitel: Angel of Storms
Verlag: Penhaligon
ISBN: 978-3764531065
Euro: 19,99
Veröffentlichungsdatum: November 2015
Seiten: 704
Serie: Die Magie der tausend Welten 02
Come in: Vom Verlag










Inhalt

Rielle lebt seit fünf Jahren im Exil, wo sie sich als Weberin hat ausbilden lassen. Sie trauert ihrem alten Leben noch hinterher, hat sich aber mit den Gegebenheiten arrangiert. Dann geschieht das Unglaubliche: Der große Valhan kehrt zurück, er, der die Welten einst beherrschte und dann vor Jahrzehnten verschwand. Für Rielle ist er allerdings kein Unbekannter. Die Einwohner der Welten sind alarmiert, denn kaum noch jemand hat sich an die von Valhan geschaffenen Gesetze gehalten und alle erwarten vielfältige Bestrafungen.
Valhan nimmt Rielle mit, wird aber unterwegs von ihr getrennt, so dass sie sich auf einem einsamen Planeten wiederfindet. Dort wird sie von einer Gruppe Welten-Nomaden gerettet, deren Sohn des Anführers, Baluka, sich in sie verliebt. Sie hätte ein sicheres, behütetes Leben, doch sie empfindet nicht das Gleiche für ihn. Und Valhan hat noch einiges mit ihr vor.
Tyen hat sich nie weit von Pergama, dem Buch, das einst eine lebende Frau gewesen ist, entfernt. Er hat seine magischen Fähigkeiten verbessert und eine Akademie besucht. Als Valhan zurückkehrt, formiert sich schnell Wiederstand, dem sich auch Tyen anschließt. Doch der große Zauberer stöbert ihn auf und verspricht ihm, Pergama wieder zurückzuverwandeln, wenn Tyen als sein Spion bei den Rebellen verbleibt. Schweren Herzens geht der junge Mann darauf ein. Doch dann kann er sein Versprechen nicht halten und alles scheint verloren.


Meinung


Auch in Band 2 der "Die Magie der tausend Welten"-Trilogie unterteilt Trudi Canavan das Buch in einzelne Abschnitte mit mehreren Unterkapiteln. Diesmal eines weniger und Rielle beginnt, auf der generell der Fokus der Handlung liegt. Eben jene setzt fünf Jahre nach dem Ende von Band 1 "Die Begabte" an. Nur kurz wird zusammengefasst, wie Rielle in dieser Zeit gelebt hat und dass sie nur eine Freundin besitzt und sonst nicht viel. Schnell kehrt Valhan zurück und es wechseln Ort und Begebenheiten, was ein klein wenig abrupt geschieht. Danach wechselt das Geschehen rund um Rielle ebenfalls recht sprunghaft, was damit zu tun hat, dass sie zwischen den Welten hin und her springt. Dabei ist ihr der Nomadenstamm über den Weg gelaufen und inmitten dieser Leute kann sie die Welten und ihre sehr unterschiedliche Lebensweise kennenlernen. Entwicklungsstand, Vegetation, Politik und Co. sind dabei oft auf völlig verschiedenen Leveln. Es verträgt sich seltsamerweise recht gut miteinander, aber wirklich oft und viel wird ohnehin nicht gewechselt.
Rielle wird schließlich von Baluka umschwärmt, der ein klein wenig jünger ist und in ihr seine Zukunft sieht. Er findet sich damit ab, dass sie nicht die gleichen Gefühle für ihn hegt, bietet ihr aber Schutz und ein gutes Auskommen. Rielle scheint das auf den ersten Blick genug, doch sie erinnert sich gut an ihre Zeit mit Izare und das war echte Liebe. Zudem stellt Valhan sie vor die Wahl: Sie solle erst einmal ansehen, was sie ausschlagen würde, würde sie Baluka ehelichen. Sie glaubt zudem auch, dass es ihm gegenüber nicht fair wäre.
Tyen werden viele Seiten im Buch gewidmet, aber müsste in kurzen Worten zusammengefasst werden, was eigentlich rund um ihn passiert, wäre das ganz einfach in nur einem Absatz möglich. Seine Kapitel ziehen sich mitunter wie dunkler Honig, denn wirklich handeln tut er nicht. Sehr schade ist, dass erst so viel rund um sein Buch Pergama im ersten Band aufgebaut wird, nur um diesen Erzählstrang hier völlig zu vernachlässigen. Pergama selbst kommt nur ganz wenige Male zu Wort. Es scheint, als wäre sie nur Mittel zum Zweck, als solle sie dafür sorgen, dass Tyen eine Motivation bekommt, sich auf Valhans falsches Spiel einzulassen. Mehr wird ihr aber leider tatsächlich nicht zugestanden, was doppelt schade ist, denn allein die Idee rund um ihre "Person" ist grandios. Seine inzwischen sehr intensive Beziehung zu dem Buch wird daher auch nur gesagt, aber nicht richtig gezeigt.
Was genau für eine Geschichte erzählt wird, ist noch immer schwer zu erkennen. Gegen Ende schien es um die Liebe und das Zusammenleben zu gehen, denn Rielle durchdenkt mehrere Szenarien und auch Tyen wird gewarnt, er solle sich nicht so sehr auf Pergama einlassen, da er sonst womöglich unfähig zu einer Beziehung zu einer echten Frau wäre. Läuft die Trilogie tatsächlich "nur" darauf hinaus? Aber außer diesem Umstand und der Rückkehr Valhans ist es schwer, etwas als roten Faden auszumachen.
Erst kurz vor Ende geschieht dann noch etwas Unerwartetes, das alle bisherigen Erzählstränge auflöst und erklärt. Das eigentliche Ende - Tyen und Rielle dürfen sich endlich kurz über den Weg laufen - scheint endgültig, als sei alles erzählt worden, was zu erzählen war.
Trudi Canavan vermag es leider nicht, das Niveau des guten Vorgängers zu halten. Noch immer wird schlicht von zwei Figuren in einer (mehreren) Fantasywelt erzählt, bei denen schwer zu fassen ist, was genau eigentlich erzählt wird. Obwohl es mit einigen Längen zu kämpfen gilt, läuft die Geschichte am Ende befriedigend aus.



Die Magie der tausend Welten
1. Thief’s Magic (Die Begabte)
2. Angel of Storms (Der Wanderer)
3. Successor's Promise (Die Mächtige)


Trudi Canavan wurde 1969 im australischen Melbourne geboren. Sie arbeitete als Grafikerin und Designerin für verschiedene Verlage und begann nebenbei zu schreiben. 1999 gewann sie den Aurealis Award für die beste Fantasy-Kurzgeschichte. Ihr Erstlingswerk, der Auftakt zur Trilogie Die Gilde der Schwarzen Magier, erschien 2001 in Australien und wurde weltweit ein riesiger Erfolg. Seither stürmt sie mit jedem neuen Roman die internationalen Bestsellerlisten. Allein in Deutschland wurden bislang über 2,5 Millionen Bücher von Trudi Canavan verkauft.